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Eisklettertrip Kanada 1.0

Reise ins Eisklettermekka nach Kanada

Am 18. Dezember ging die Reise nach Kanada los. Die Crew bestand aus Wolfi, Pipo, Susi und mir. Gestartet sind wir am Flughafen in Frankfurt. Wegen Schneeproblemen mussten wir einen unfreiwilligen Pausetag in Amsterdam einlegen ;). Als wir endlich nach einer gefühlten Ewigkeit in Calgary landeten, begrüßte uns der Winter gleich von seiner härteren Seite. Alles war voller Schnee in der Stadt, da es erst am Vortag so richtig geschneit hatte. Wir fuhren nach Canmore, wo wir unser Basislager beziehen konnten. Es war eine private Unterkunft die wir über einen Bekannten ergattern konnten.

Voll motiviert gings am ersten Tag an einen warmen südseitigen Fall in der Nähe von Banff. Bourgeau Left WI5 hieß das Stück. Ein schöner Eisfall, mit einer sehr nassen Schlusslänge.

Am zweiten Eisklettertag machten wir uns an die berühmt berüchtigte Weeping Wall. Ich war schon einmal vor drei Jahren dort und die zwie riesigen Eisschilder, welche übereinander stehen, sind schon beeindruckend. Anhaltend steil geht es im rechten Wandteil über die erste Stufe, nach dieser folgt ein kurzes Wandergelände zum Weeping Pillar WI6. Drei volle Seillängen anhaltend “dead vertical Ice”. Von Tag zu Tag wurde es immer kälter, sodass -20 °C keine Seltenheit war. Bei den Eisfällen in Field stand der Pilsner Pillar leider nicht sehr gut da, worauf wir uns dann schweren Herzens noch den Carlsberg Coloumn WI5+ hochpickelten.

Unseren ersten Ruhetag nutzten wir für ein Auschecken weiterer Linien. Für die nächsten Tage sollte es nämlich noch kälter werden. Da waren dann die Eislinien am Icefields Parkway, von denen viele südseitig gelegen sind, ein willkommenes Ziel.

Was klettert man bei fast -30°C??? Eigentlich gar nichts 😉 🙂 Da wir aber voll motiviert waren versuchten wir etwas zu finden, wo ein gleichzeitiges klettern möglich war. Also nix wie hin zum Polar Circus WI5, wahrscheinlich einer der bekanntesten Eisfälle der Welt. Die Schwierigkeiten sind überschaubar, dennoch hat die Linie eine Länge von 700m. Das Wetter war kalt aber sonnig. So konnten wir ohne allzuviel frieren, diesen schönen Klassiker genießen.

Der Whiteman Falls WI6 ist ebenso ein Klassiker der seinesgleichen sucht. Einziger Haken daran ist, dass man 5km auf einem gesperrten Highway zusteigen muss. Durch den vielen Schnee war das recht mühsam. Dafür entschädigt der Gully, der direkt zum Eisfall führt, dafür umso mehr. Eine richtig schöne Landschaft inmitten der Kananaskis Range. Der untere Teil der Whiteman Falls ist verrücktes 3D Climbing, wobei die zweite Länge dann mächtig aufsteilt und man bei -30°C eine ordentliche Dusche genießen darf. Aaaaarsch kalt wars 🙂

Da die Kälte ziemlich an der Kraft zehrt, haben wir uns entschieden für zwei Tage an den Rogers Pass zu fahren, um wenigstens dort nicht frieren zu müssen. Und dem war es auch so. Gute 10 °C wärmer war es dort und Schnee hatte es auch reichlich. WIr hatten zwei schöne Tage mit Treeskiing und dem typischen kanadischen Powder, hüfthoch und federleicht. So muss es sein. Da freut man sich sogar über die breiten Ski.

Sylvester haben wir sausen lassen und sind brav sehr früh ins Bett gegangen. Unser Plan für den Neujahrstag war das Ghost Valley, schon das zweite Mal. Aber diesmal mit besserer Orientierung 😉 Wir entschieden uns für Aquarius und Rainbow Serpent WI6 M8+. Normalerweise ist der Rainbow Serpent eine durchgewachsene Säule von gut 100m Höhe. Leider, wie so oft, ist der untere Teil nicht zum Boden gewachsen, sodass man die Mixed Variante wählen muss, um zum Eis zu gelangen. Die Atmosphäre in der Recital Hall ist beeindruckend. Auch die Kletterei ist einzigartig. Bizarr geformte Eisstrukturen galt es zu klettern, “always like super fun :)”. Wie man aus dem Ghost Valley mit dem Auto wieder hinauskommt ist eine andere Geschichte…

Wir konnten es kaum glauben, aber die Temperaturen stiegen wieder und somit auch die Motivation. Die Stanley Headwall gehört mit ihren wahnsinnigen Mixedlinien, mit zu dem besten was die Rockies zu bieten haben. Wir warfen einen Blick in die Suffer Machine WI5 M7+. Die erste Länge ist die Crux. Von einem Pfeiler geht es über ein Dach und weiter über difficile Platten zum unbequemen Hängestand. Von dort quert man linkshaltend auf das dünne Eisschild und folgt der Eislinie in anhaltend steiler Kletterei. Durch die kalten Temperaturen von den Vortagen, war das Eis super spröde.

Unsere Versuche Rocket Man und Riptide zu klettern mussten wir leider einstellen. Bei unserem Zustiegsversuch kehrten wir wegen Lawinengefahr um. Da müssen wir definitiv noch einmal hin. Super beeindruckende Eislinien, die ihresgleichen suchen.

Dass man in Kanada auch super drytoolen kann, konnten wir im Eldorado/Canmore und im Haffner Creek sehen. Super coole Linien, teilweise gespickt mit feiner Glasurkletterei. Da die Zeit bis zum Abreisetag wie im Fluge verging, suchten wir uns für den Abschluss noch einmal einen Klassiker aus. Den Nemesis WI6 an der Stanley Headwall. Die Eislinie hatte super Bedingungen und so konnten wir gemütlich mit den Ski aufsteigen, klettern und wieder entspannt ins Tal cruisen. So macht’s Spaß!!!

Bye Bye Kanada, see you soon…

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Philipp Schädler - Bergführer aus dem Allgäu

Philipp Schädler
Bergführer . Mountainguide
Kühgasse 21 | 87541 Bad Hindelang
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